Head Coach Robin Singh im Interview

Rückblick auf die Hinrunde und das Basketballjahr 2025

Head Coach Robin Singh im Interview

Nach dem Abschluss der Hinrunde und zum Ende des Basketballjahres 2025 blicken die Hertener Löwen auf eine starke erste Saisonhälfte in der ProB zurück. Als Aufsteiger hat sich das Team nicht nur schnell an das neue Niveau angepasst, sondern sich mit acht Siegen einen hervorragenden fünften Tabellenplatz erarbeitet. Zum Jahresbeginn haben wir mit Head Coach Robin Singh gesprochen – über Erwartungen und Entwicklungen, die sportliche Ausrichtung, die Rolle der Fans und seine persönliche Trainerphilosophie.

Bisheriger Saisonverlauf

Frage: Die Löwen stehen nach 15 Spieltagen auf einem exzellenten 5. Platz mit bereits acht gewonnenen Spielen. Hättest du dies vor der Saison erwartet?

Robin Singh: Weder wir im Trainerteam noch die Verantwortlichen im Vorstand konnten einen solchen Saisonverlauf vorhersagen. Entsprechend sind alle im Verein sehr glücklich über die bisherigen Ergebnisse und die tolle Platzierung.

Nichtsdestotrotz ist das Ganze zunächst einmal nur eine Momentaufnahme und ein genauerer Blick auf die Tabelle zeigt, wie eng alles beieinander liegt. Wir sind lediglich einen Sieg von Platz 10 entfernt und müssen weiter konzentriert arbeiten.

Die Liga ist gnadenlos, und selbst ein Team, das mit sieben Siegen in die Saison gestartet war, kann in der Folge tatsächlich acht Spiele in Folge verlieren. Das zeigt, wie hoch die Leistungsdichte und wie gering der Spielraum für Fehler ist.

Frage: Der Saisonstart verlief jedoch nicht wie erhofft – drei Niederlagen zu Beginn. Was habt ihr als Team verändert, um danach so erfolgreich zu sein?

Robin Singh: Wir haben im Grunde gar nicht so wirklich viel verändert. Es ist zum Teil einfach ein Prozess, dass man sich zunächst an das höhere Level gewöhnen muss. Wir haben viele Spieler im Kader, die zuvor noch nie in der ProB gespielt haben. Entsprechend hatte jeder mit verschiedenen Dingen zu kämpfen, sei es der Geschwindigkeit, Physis oder dem allgemein höheren taktischen Niveau. Diese Anpassung erfordert einfach etwas Zeit. Wir haben recht schnell gemerkt, wer in welchen Bereichen Probleme hat, wo noch etwas fehlt und an welchen Stellschrauben wir als Team drehen müssen.

Wichtig war zudem, dass wir sowohl innerhalb des Teams als auch intern im Verein ruhig geblieben sind und vernünftig und besonnen weitergearbeitet haben. Dies hat letztlich den gesamten Prozess beschleunigt und dafür gesorgt, dass wir recht schnell bessere Ergebnisse eingefahren haben.

Frage: Welche Unterschiede gibt es zwischen Regionalliga und der ProB aus Sicht der Trainer und der Spieler?

Robin Singh: Wie bereits erwähnt ist das Niveau in allen Bereichen höher. Auf dem Feld werden die Spieler athletisch, technisch und taktisch nochmal mehr gefordert. Aber auch drumherum steigen die Anforderungen deutlich. In dem Zusammenhang sind sicherlich die wesentlich längeren Auswärtsfahrten zu nennen. Dies bekommen wir im weiteren Saisonverlauf mit Fahrten nach Berlin (2 ×), Rostock und Itzehoe noch mehr zu spüren.

Ein Déjà-vu zur Vorsaison?

Frage: Die Rückrunde begann ähnlich wie im vergangenen Jahr – klare Niederlage gegen den Tabellenführer, anschließend ein Sieg. Letztes Jahr folgte darauf ein beeindruckender 12:0-Lauf. Es wäre vermessen dies nun auch in der ProB vorauszusetzen. Aber was erwartest du für den weiteren Saisonverlauf?

Robin Singh: Ich bin kein Fan davon, zu weit in die Zukunft zu schauen oder irgendwelche Prognosen abzugeben. Wir taten bereits in der Vergangenheit und tun auch in der Zukunft gut daran, von Spiel zu Spiel zu denken. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass ich aufgrund der vielen langen Auswärtsfahrten eine deutlich schwerere zweite Saisonhälfte erwarte. Wie wir damit zurechtkommen, wird über den weiteren Saisonverlauf entscheiden.

Defensive als Markenzeichen der Löwen

Frage: Du lässt in Herten sehr erfolgreich einen defensiv geprägten und kontrollierten Basketball spielen. Letztes Jahr die beste Defense der Regionalliga, auch dieses Jahr wieder eine der stärksten in der ProB. Hast du erwartet, dass dies auch eine Liga höher so eindrucksvoll gelingt?

Robin Singh: Es war schon das Ziel – auch eine Liga höher – uns über die Verteidigung zu definieren und mit dieser als Basis unsere Spiele zu gewinnen.

Dass wir aber in dieser Saison, auch auf diesem Level, im Schnitt nur 68,5 Punkte pro Spiel zulassen, war so nicht zu erwarten. Neben unserer Defense als Prunkstück ist sicherlich unsere allgemeine taktische Disziplin, die wir sowohl defensiv als auch offensiv mitbringen, ein entscheidender Faktor für unseren derzeitigen Erfolg.

Emotionen an der Seitenlinie

Frage: Es ist auffällig, dass in den letzten Spielen vermehrt technische Fouls gegen unser Team, aber vor allem gegen dich als Coach verhängt wurden. Gibt es eine Erklärung dafür und kannst du erläutern, warum du diese in Kauf nimmst?

Robin Singh: Die Beantwortung dieser Frage ist deutlich komplexer als die reine Betrachtung von einzelnen Entscheidungen während einer Partie. Seit unserem Aufstieg mussten wir feststellen, dass wir uns als neues Team in der Liga zunächst ein gewisses „Standing“ bei den Schiedsrichtern erarbeiten müssen und einige „Pfiffe“ eher zu unseren Ungunsten ausfallen.

Hinzu kommt die zuvor angesprochene starke Defense. Diese hat zur Folge, dass Spieler einiger gegnerischer Teams sehr gefrustet reagieren und zum Teil mit einer erhöhten Physis am Rande der Legalität agieren und teilweise über das Ziel „hinausschießen“. In der Folge werden unsere Spieler zum Teil sehr hart angegangen, ohne dass dies entsprechend geahndet wird. Das ist auch keine rein subjektive Wahrnehmung, sondern spiegelt sich auch in den Statistiken wider – so sind wir beispielsweise das Team mit den wenigsten Freiwürfen der gesamten Liga und der zweitschlechtesten Differenz zwischen eigenen und gegnerischen Freiwürfen. Gleichzeitig stellen wir aber eines der fairsten Teams der Liga mit den wenigsten Fouls aller Mannschaften. Das passt dann in meinen Augen nicht zusammen.

Zu meinen Aufgaben als Trainer gehört es nicht nur meine Mannschaft taktisch einzustellen und zu coachen, sondern auch meine Spieler zu schützen. Entsprechend kann und werde ich an der Seitenlinie nicht ruhig bleiben, wenn meine Spieler zu hart angegangen werden und dadurch ein erhöhtes Verletzungsrisiko entsteht.

Gut gefüllte Halle, spürbare Unterstützung

Frage: Der Zuschauerzuspruch hat in den letzten Spielen wieder zugenommen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Halle wieder voller und die Stimmung besser. Wie erlebt das Team die Unterstützung bei den Heimspielen? Welche Bedeutung hat sie für dich und die Mannschaft?

Robin Singh: In den letzten zweieinhalb Jahren hat ein toller Wandel stattgefunden. In der Spielzeit 23/24 haben wir nach vielen Jahren wieder ein Team aufs Parkett gebracht, mit dem sich die Zuschauer identifizieren konnten. Diese Mannschaft haben wir in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und selbst nach dem Aufstieg nur punktuell verstärkt, um dahin zu kommen, wo wir jetzt stehen.

Nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern auch zwischen Spielern, Coaches und Fans ist in dieser Zeit ein grandioser Zusammenhalt entstanden.

Die Fans spüren, dass die Spieler immer alles geben und Tränen, Schweiß und Blut auf dem Parkett lassen und honorieren dies entsprechend. Umgekehrt spüren wir als Mannschaft das Vertrauen, dass wenn wir diese Energie und Leidenschaft bringen, die Fans uns auch unterstützen, selbst wenn wir mal Spiele verlieren.

Diese Symbiose ist entscheidend für die tolle Stimmung und die positive Energie bei unseren Heimspielen.

Vielen Dank für das ausführliche Interview

Die Hertener Löwen bedanken sich herzlich bei Head Coach Robin Singh für das offene und ausführliche Interview zum Abschluss der Hinrunde und des Basketballjahres 2025.

Gleichzeitig gilt ein großer Dank allen Fans für die leidenschaftliche Unterstützung in der Halle. Gemeinsam freuen wir uns auf eine spannende, intensive und hoffentlich erfolgreiche zweite Saisonhälfte in der ProB.